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Amazonas - 4. Berliner Kunstsalon

aquatics - Lambda koloriert auf Folie/Leuchtkasten - je 18,5 x 50 cm - artfrankfurt 2005

shoal2005e2405 - 2005 - Lambda koloriert auf Folie/Leuchtkasten - 120 x 300 cm

coy07210012 + coycoy · coycarp + coyKoi/Nishikigoi - 2005 - Lambda koloriert auf Folie/Leuchtkasten - je 60 x 125 cm

Die Leuchtkästen von Oliver Raszewski geben einem das Erlebnis des Schwebens, der Schwerelosigkeit, des Versinken in eine fremde, geheimnisvolle Welt. Leuchtende, malerische Bilder von atemberaubender Natur erschließen sich dem Auge. Zu entdecken sind kleine Nachtschnecken, Muscheln, winzige Garnelen, Schwämme, blühende Korallen, Haarsterne und die Wunderwelt der Fische in ihrer vielseitigen Formen- und Farbenpracht. Wie Außerirdische in der Sternenwelt schweben hier, wie vor einem Fenster, grazile Schönheiten zerbrechlich und zugleich gefährlich vorbei. Nirgendwo fühlt man sich dem Mysterium des Lebens so nah wie im nassen Element.

Große Teile der Erde sind vom Wasser inklusive seinen Bewohnern bedeckt, wobei dies besonders auf der Südhalbkugel der Fall ist und sich als Extrem in der Wasserwelt des Pazifk zeigt. Die Menschen untersuchen jeden „bewohnbaren“ Platz auf der Erde, also Orte, die Leben grundsätzlich unterstützten oder noch immer unterstützen. Bewohnbar ist ein schwer zu definierendes Wort, wir haben nur eine vage Vorstellung von dem, was Umwelt bewohnbar macht. Wasser ist ein notwendiger Grundstoff der Menschen, der Tiere und der Pflanzen, und Wasser ist gleichzeitig ein nicht weniger bedeutender Grundstoff mächtiger Industriekonzerne. Experten sagen, dass künftige Kriege nicht um Öl, sondern um Wasser geführt würden. Die Wasservorkommen der Erde belaufen sich auf circa 1.386 Milliarden km3 (Zahlen: Dyck & Peschke, Grundlagen der Hydrologie, 1995), wovon allein 1.338 Milliarden km3 (96,5 %) auf das Salzwasser der Weltmeere entfallen. Nur 35 Millionen km3 (2,53 %) des irdischen Wassers liegen als Süßwasser vor. Das mit 24,4 Millonen km3 (1,77 %) meiste Süßwasser ist dabei als Eis an den Polen, Gletschern und Dauerfrostböden gebunden und somit nicht der Nutzung zugänglich. Durch das in fester Form, in der Atmosphäre (13.000 km3), im Boden (65.000 km3) und in Lebewesen (1.100 km3) gebundene Wasser ist nur ein geringer Teil des Süßwassers auch als Trinkwasser verfügbar. Insgesamt liegen 98,233 % des Wassers in flüssigem, 1,766 % in festem und 0,001 % in gasförmigem Zustand vor. In seinen unterschiedlichen Formen weist das Wasser dabei spezifische Verweilzeiten auf
und zirkuliert fortwährend im globalen Kreislauf.

Ein Astronaut, der den Mond betreten möchte, benötigt lediglich einen dichten Raumanzug, der die Atemgase nicht in die sauerstoffleere Umgebung entweichen lässt. Wer auf dem Meeresgrund spazieren will, steht einem ungleich größeren Problem gegenüber: Mit jedem Meter, den der Aquanaut tiefer in das feuchte Element eintaucht, wird der Druck der auf im lastenden Wassermassen größer. In den 1960er Jahren reicherten Forscher salzhaltiges Wasser künstlich mit größeren Mengen Sauerstoff an und warfen dann Mäuse hinein. Die Tiere waren einen Moment lang von panischer Angst ergriffen. Verzweifelt versuchten sie, die Oberfläche zu erreichen, doch ein Gitter hinderte sie daran aufzutauchen. Und so fügten sie sich in ihr Schicksal. Mit tiefen Atemzügen begannen sie, die Flüssigkeit in ihre Lungen zu pumpen. Es hätte eigentlich ihr Ende sein müssen, doch diese Mäuse ertranken nicht. Schon nach kurzer Zeit hatten sie sich an das neue Unterwasser-Leben gewöhnt. Einige blieben für Stunden im Wasserbehälter. Diesem augenscheinlichen Beweis, dass die Lunge ihre alte Fähigkeit zur Flüssigkeitsatmung nicht eingebüßt hat, ließen die Forscher sofort den nächsten folgen und wagten die Probe aufs Exempel am Menschen. Ein Taucher stellte sich daraufhin freiwillig zur Verfügung. Es gab keinerlei Komplikationen, der Testfreiwillige hatte keine Atemnot. Er berichtete anschließend, dass er in seiner flüssigkeitsgefüllten Lunge kein wesentlich verändertes Gefühl gehabt hätte als mit der sonst gasgefüllten.

Die Kunst und die Wissenschaft sind in ihrem Bestreben nach einer besseren Welt verbunden. Sie fühlen sich dem Wahren, Guten und Schönen verpflichtet. Auf der Suche nach der Wahrheit verliert beides glücklicherweise nicht allzu selten den Bezug zur Realität.

Thomas Hühsam