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Zeit des Übergangs – "Computergenerierte Malerei" von Oliver Raszewski. Es sind die Jahre von Steffi und Boris. Oder die der Wiedervereinigung, blühender Landschaften oder der neuen Medien. Wer die letzten zehn, zwölf Jahre Revue passieren läßt, dem wird eine ganze Reihe von Bildern in den Sinn kommen, Zeitungsfotos oder Fernsehbilder, die Ereignisse auf den Begriff bringen wie ein einziges Wort. Doch jeder weiß, daß Bilder lügen, ebensoviel sagen wie verschweigen. Was also waren die neunziger Jahre?
Oliver Raszewski präsentiert mit „decadeTM®“ so etwas wie eine subjektive Bilanz. Und eine Diagnose. Beginnend mit dem Mauerfall 1989 und endend mit dem Bild der brennenden Zwillingstürme nach dem Anschlag am 11. September 2001, besichtigt er ein Zeitalter, die Bilder einer Generation. Die neun Köpfe des Politbüros, präsentiert wie auf einem Fahndungsplakat der RAF, die Autoschlangen auf der Glienicker Brücke vor blutrotem Himmel, Schröder in Siegerpose vor diffusem, mit rot-grünen Spuren versehenem Hintergrund. Deutsche und internationale Politik, Buntes, Technik, Humanität markieren das Feld, auf das er seinen Blick richtet. Interessant wird es immer an den Schnittstellen, wenn die Bilder Zusammenhänge nahelegen und plötzlich eine Arbeit für vieles steht wie das mit Menschen überfüllte Flüchtlingsschiff. "Das Boot ist voll" schießt es einem in den Kopf, Parolen, Rechtsradikalismus, Hoyerswerda. die „könnigen der herzen“ oder „virus“ werden zur Chiffre nicht nur für das Elend in weiten Teilen der Welt, sondern auch für den Asylkompromiß und die Festung Europa. Raszewski interpretiert mit seinem Zyklus die neunziger Jahre als eine Zeit des Übergangs, des gesellschaftlichen Wandels und des Perspektivenwechsels nach der Auflösung des Ost-West-Konflikts. Und doch lassen die Arbeiten alle Freiheiten, zwingen trotz suggestiver Manipulationen keinen alleingültigen Blick auf. Denn jedes Bild weckt weitere Assoziationen, löst beim Betrachter eigene Erinnerungen aus und erzählt so seine eigene Geschichte. Darüber hinaus ist es jedoch vor allem die Technik, die „decadeTM®“ zu mehr macht als zu einem Almanach der vergangenen Jahre. Denn die "computergenerierte Malerei " Raszewskis zeichnet sich nicht nur durch eine Veränderung des Formats, des Bildträgers oder der Farben, sondern vor allem der Strukturen aus, die den Arbeiten bisweilen eine beinahe haptische, bisweilen reliefartige Qualität zu verleihen scheint. Konturen zerfließen wie flüssiges Metall, Bilder werden unscharf wie die Erinnerung und übrig bleibt ein Schlagwort – "video war",
„berlusconi“, „viagra“ –, das offen ist, alles sagt und nichts. Christoph Schütte

A Time of Transition – Oliver Raszewskis „computer generated paintings“. They are the Steffi and Boris years. Or the years of the reunification, of blossoming landscapes or of the new media. The senses of anyone reviewing the last ten, twelve years will be filled with a series of images, newspaper photos or TV pictures which concentrate events into a single concept, like a single word. But everyone knows that pictures lie, concealing as much as they reveal. So just what were the Nineties all about? With his „decadeTM®“, Oliver Raszewski presents something of a subjective account. And a diagnosis. Beginning with the fall of the Berlin wall in 1989 and ending with the image of the twin towers in flames after the attack of the 11th September 2001, he reviews an era, the pictures of a generation. The nine heads of the polit-buro, presented like the wanted posters for members of the Red Army Faction, traffic jams on the Glienicker Bridge before a blood-red sky, Schröder in a victory pose before a provided background with diffuse red-green traces. German and international politics, color, technology and humanity mark out the field upon which his gaze is directed. Particularly interesting are the interconnections which surface when the pictures are exhibited together, where images suddenly begin to represent much more, like the image of a ship overflowing with refugees. „The boat is full“ springs to mind, slogans, right-wing radicalism, Hoyerswerda. The „queen of hearts“ or „virus“ become a symbol not just for suffering in distant parts of the world but also for compromising the right to asylum and fortress Europe. Raszewski interprets the Nineties in his cycle as a time of transition, of social change and a change of perspectives following the dissolution of the east-west conflict. Yet the works still allow free interpretation and do not force a singularly valid view despite suggestive manipulations. Every picture encourages further associations, evoking personal memories in the viewer which in turn tell their own story. However, above and beyond this, it is the technology which makes „decadeTM®“ more than just an almanac of past years, for „the computer generated paintings“ by Raszewski do not just distinguish themselves simply through a change of format, materials or color but through their structure, which imbue the works with an almost haptic or relief-like quality. Contours flow like liquid metal, images, like memory, become blurred and all that remains are the slogans – „video war“, „berlusconi“, „viagra“ – which are open and say everything and nothing.” Christoph Schütte